Historisches
Das mittelalterliche Gewölbe, in dem sich heute das heutige Lokal „Zum Weinwirt“, ehemals Empl-Keller, befindet, wurde bereits im 30-jährigen Krieg, im Jahre 1633, als Wirtshaus erstmals erwähnt. Die Besitzer wechselten immer wieder und die Geschichte der Familie Empl beginnt auch nicht hier, sondern im so genannten „Grafenstock“, unserem heutigen Rathaus.
Am 15.06.1785 kauft Franz Faistenhammer den Grafenstock in Erding und dazu die „reale Branntweinbrennereigerechtsamkeit“. Als er 1812 stirbt, erwirbt seine Witwe diesen Besitz, den ihre Kinder am 02.12.1825 erben und noch am selben Tag an den Magistrat der Stadt Erding verkaufen.
Wohlgemerkt, das Gebäude, nicht die Branntweingerechtsamkeit. Diese übertragen sie 1826 für 100 fl ihrem Bruder Stefan. Dieser erwirbt das Haus Nr. 279, das ursprünglich ein Wirtshaus war und heute der Empl-Stammsitz in Erding ist, in dem wir hier so gemütlich sitzen.
Am 01.09.1836 geht der Besitz Faistenhammer auf die Witwe über. Sie heiratet am 01.03.1837 den Kaspar Empl (1807-1860), dem der Magistrat am 24.02.1837 unter der Bedingung, dass er die Witwe ehelicht, das Recht erteilt, die Branntweinbrennerei und die Schänke weiter auszuüben.
1860 stirbt Kaspar Empl und 1861 überträgt der Magistrat die „Gewerberechte“ an seinen Sohn Kaspar. Im folgt Karl Empl nach. Dessen Sohn Karl heiratet die Brauerstochter Haggenmiller und übernimmt 1893 den Besitz. Karl Empl hatte großen Unternehmergeist. So erwirbt er den Haggenmiller-Keller (heute E+C und altes Obi-Gelände) und errichtet eine Obstkelterei, hauptsächlich für Apfelwein. Dann kauft er den Greißl-Brauerei-Keller, wo er Fruchtweine, vor allem Heidelbeerwein herstellt. Die Früchte holt er ab 1918 mit eigenem LKW aus Südtirol. Der Wein wird in ganz Süddeutschland geschätzt.
Nebenbei gründet er um 1910 den Bayerischen Otto-Motoren-Besitzer-Verein in Nürnberg, den Vorgänger des ADAC. Er handelt mit Petroleum und Motorenölen und errichtet ein Lagerhaus mit unterirdischem 20.000-Liter-Treibstofftank an der Haager Straße. Und hier vor dem Stammsitz eröffnet er 1925 die erste Handpumpen-Tankstelle in Erding. Er betreibt regen Mineralölhandel, einschließlich „Öl-Import“.
Nach dem Tode von Karl Empl übernimmt Sohn Franz Xaver Empl (1897-1961) zusammen mit Ehefrau Annie, geb. Pointner, das Steuer. Er führt die Firma durch die Wirren des 2. Weltkriegs, meistert die Nachkriegszeit, u. a. den Wiederaufbau des zerbombten Stammhauses an der Friedrich-Fischer-Straße. Er betreibt einen Shell-Mineralölvertrieb und einen florierenden Wein- und Spirituosen-Groß- und Einzelhandel in Stadt und Land sowie einen Weinimport aus vielen Regionen Europas.
1961 verstirbt Franz Xaver Empl. Seine Ehefrau Annie übergibt 1963 die Führung an Tochter Rita Empl-Lechner und Dr. Egon Lechner. Es erfolgt ein zügiger Firmenaus- und –umbau. Das Eckhaus (heute NKD) wird erworben. Die traditionelle Wein- und Trinkstube wird 1964, mit dem Ausbau des mittelalterlichen Kellergewölbes durch das historische Weinhaus Empl unter dem neuen Pächter Bernhard Liebold und unter dem Namen „Zum Weinwirt“ fortgesetzt. Und zwar im Jahr 2002.
Gemeinsam mit seiner Frau Sandra gelingt Bernhard „Lippi“ Liebold in dem ehemaligen Empl-Keller eine perfekte Verbindung aus Tradition und Moderne. Dem traditionell bayerischen Interieur verleihen sie durch eine sehr persönliche und ansprechende Wanddekoration eine einzigartige Note. Und so gehört es zum guten Nachtmahl im Weinwirt, sich ausführlich die vielen hundert Bilder, Fotos und Andenken an Gewölbewand – und decke wieder und wieder anzusehen.
Auch der Veranstaltungsraum, die Herzogstube, der zentral gelegene Hofgarten sowie die Speisekarte erinnern an die bayerische Gastlichkeit und Gemütlichkeit. Und selbstverständlich darf im Weinwirt eine erlesene Auswahl an Weinen nicht fehlen.
Seine Einzigartigkeit erhält das Lokal aber zum einen durch die Persönlichkeit des Wirtepaares, zum anderen aber durch sein modernes Eventkonzept. So schließt sich dem Lokal mit der „Nachtwache“ eine separate Bar an, die sich zu später Stunde und zu besonderen Anlässen in eine trendige Partylocation verwandelt. Und als zünftige Hüttengaudi ist der Weinwirt auch bei lokalen Outdoor-Festlichkeiten, wie der Erdinger Eiszeit, dem Altstadtfest oder seit 2009 dem Erdinger Herbstfest mit einer eigenen Weinwirt-Hütte vertreten.
Danke
Wir bedanken uns bei Frau Doris Bauer für die aufwändigen historischen Recherchen, die sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Sandra und Bernhard Liebold
